Jonathan MEESE (geb.
1971) gehört
zu den auch international boomenden Stars jüngerer
deutscher Künstler. Er
wuchs in Ahrensburg nahe Hamburg auf,
wo er bis
1998 an der Hochschule für Bildende
Künste
studierte und - wie KIPPENBERGER
-
das Studium abbrach.
In 2006 präsentierte der "selbsternannte
Kulturexorzist"
( Tate Modern London ) eine
retrospektive
Ausstellung in der Stadt
seiner Studienzeit, die um Installationen in der
Phoenix Art Stiftung /
Sammlung
Falckenberg in
Hamburg-Harburg ergänzt
wurde.
150 Gemälde, Skulpturen, fotografische
und installative Arbeiten: Die Schau
in den DEICHTORHALLEN auf rund 2500 Quadratmetern war die
erste umfassende Werkübersicht von
Jonathan MEESE in Deutschland.
Das Zentrum der Ausstellung bildetete
die acht Meter hohe, 20 Meter breite
und 40 Meter lange „Black Box“,
in der MEESE sein für Frank CASTORFs "Kokain“-Inszenierung
an der Volksbühne
Berlin entworfenes Bühnenbild
samt Drehbühne sowie eine Tribüne installierte.
Rund um die zentrale Theaterspielstätte
entstand ein riesiges Gemälde.
"Das
letzte Lied" (Meese unten rechts)
Hamburger Pressekonferenz unterm Galgen, 26.04.06
Rechtes Photo: Gott Stalin
Mama Johnny - Deichtorhallen Hamburg 2006
photos: jens ullheimer
MEESE begab sich schon mehrmals in produktive Auseinandersetzungen
mit verschiedenen Künstlerkollegen.
Den dabei entstandenen "Werken in Zusammenarbeit"
– mit Jörg Immendorff,
Albert Oehlen, Daniel Richter und
TAL R waren in der
Ausstellung eigene Räume gewidmet. Einer
davon war die Installation „MOR“ (MUTTER), eine
rosa Burg,
die MEESE mit TAL R für
deren Gemeinschaftsausstellung 2005/2006 im Kopenhagen
Statens Museum konzipierte. Quelle: Modifizierte
Pressetexte Deichtorhallen, Hamburg
Jonathan
Meese und TAL R - in der rosa burg
Mama Johnny - Deichtorhallen Hamburg 2006 VIDEO
VIDEO |
Noel Coward is back
Dr. Humpty-Dumpty vs. Fra No-Finger
Performance in der
Tate Modern London, Februar 2006
PRESSE
_ STATEMENTS
TAZ
"Jonathan
Meese schafft großräumige Installationen,
in denen er selbst erwählte Kultobjekte
in wilder Mischung und Überlagerung kombiniert.
Anfangs entnahm er das Material hierfür
aus seiner ganz privaten Devotionaliensammlung,
die - neben eigenen Erinnerungsfotos - Filmplakate,
Bücher und Plattencover enthielt. Seine
Dingwelt ergänzte und überlagerte
er durch Zitate und eigene Wortschöpfungen
(wie "Erzleid", "Seelensaal" oder "Erzreligion
Blutlazarett"), die zusätzliche Bedeutungen
insinuieren. Irgendwann haben sich Attila,
Stalin und Hitler, aber auch Wagner und Balthus
in seiner Mythenwelt eingefunden.
In den
Performances sieht man Eiserne Kreuze und
gereckte Hitlergruß-Arme, doch Meese
ist kein Propagandist. Er inszeniert ein
Ich, das im Ringen um Identität alles
vorfindbare Material begierig aufnimmt
und radikal dessen Gehalt befragt, indem
er es wieder und wieder "siedet",
wie er das nennt. Über die Jahre hat
er sich so sein eigenes Referenzsystem
geschaffen. Doch in der Welt, die er in
seinen Wort- und Bildensembles zur Schau
stellt, ist keine Aussage erkennbar."
Jonathan
Meese
Mama Johnny - Deichtorhallen Hamburg 2006
photos: jens ullheimer
GOETHE INSTITUT
"Manchmal,
wenn Jonathan Meese sehr erschöpft ist,
oder wenn ihm die Knochen schmerzen, weil
er wieder einmal irgendwo zwischen Berlin
und Südkorea nach einer stundenlangen
Performance schreiend und polternd von der
Bühne gekracht ist, dann fährt
er nach Hause zu seiner Mutter in Ahrensburg
bei Hamburg.
Ahrensburg
ist das Zuhause, die Energiequelle, das
ewige Kinderzimmer, Meeses Gralsburg. Von
hier aus reitet Meese in die Schlacht gegen
die furchtbaren Drachen und Dämonen
da draußen, watet durch den Kultur-
und Popschlamm des 20. Jahrhunderts, und
lässt sich bei seinem einsamen,
verzweifelten Kampf von einem Publikum
bestaunen, das noch nicht begriffen hat,
dass es seiner eigenen Erlösung
beiwohnt.
Der
Durchbruch kam 1998 bei der Berlin-Biennale,
als Meese eine unüberschaubare Müllhalde
pubertärer Obsessionen in das Postfuhramt
gekippt hatte - ein Horrorkabinett zwischen
Porno, Charles Bronson und Slayer. Später
sah man Meese Performances machen, „Stalin
Erwache“ oder „Erzrichard Wagner“ auf seine
Installationen schreiben, mehrere Stunden
lang tatsächlich mit Schaum vor dem
Mund unter anderem Dinge wie „Heil Hitler“
schreien, und zum Schluss erschöpft
in den eigenen Trümmern liegen bleiben."
Saatchi,
London
Darstellung aufgekaufter Meese-Bilder mit erläuternden Texten
Kopenhagen
Aktuell
Foto-Reportage inkl. Interview von Helene Nyborg Andersen mit
Jonathan Meese und Tal R, anlässlich der Ausstellung " Mor / Mutter
/ Mother" im Statens Museum, Kopenhagen / Dänemark 2005 / 2006
Sammlung
Falckenberg, Hamburg
Parallel zur Meese-Schau in den Deichtorhallen
wurden auch Meese-Installationen in
der Phoenix-Art-Stiftung /
Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg gezeigt.
Tour
de Rosa BurgVIDEO
( Meese,
Deichtorhallen
Hamburg
2006
)
Wer braucht Kunstfeinde, wenn er
Jonathan Meese hat?
"Jonathan Meese nahm im Februar
den B.Z.-Kulturpreis, den Kunstpreis des Berliner Bild-Ablegers,
entgegen. Die
Laudatio
hielt sein Sammler Guido Westerwelle. Udo Jürgens
sang dazu “Griechischer Wein”. Später wurde die Preisübergabe
in der Berliner Volksbühne als Videoprojektion gezeigt.
Ist das tatsächlich lustig, originell oder gar subversiv?
Eben nicht: Die Volksbühne ist der falsche, da allzu
passende Ort für den Widerstand - danach."
"Meeses Aktionismus ist tatsächlich harmlos,
tut niemandem weh und lässt vor allem alles an seinem
Platz. Er beweist aber, dass der Kapitalismus und der in
ihm fest
integrierte Kunstbetrieb nicht nur Heuschrecken, sondern
auch seine eigenen Bürgerschrecks kreiert. Alles ist
käuflich, selbst vermeintlicher Widerstand. Das könnte
zu Ekel und Aversion gegen den Kunstbetrieb, gegen die
Kunst als den Hort scheinbarer Freiheit und neuer Wahrheiten
führen. Aber geht es in der Kunst wirklich um Wahrheit
oder nicht eher um Täuschung, Verstellung und Lüge?" TAZ| 3.2007 - Wolfgang Müller
AUSSTELLUNGEN
/ BIO
1970 geboren in Tokio,
lebt und arbeitet in Ahrensburg nahe Hamburg und
Berlin
1982 Geflüster des Saint Justyr 1991 Prärietum
und Conankindtum 1997 Aderlaß und Vortanz zum Raubtier
1999 Ladung der Erntewaffen 2000 Argonauten besteigen
das Eldoradoschiff 2001 Bezwingung des Gottdämonen
2002 Verführungsküsse durch Dr. No und ZED
2003 Verpuppung zum Zuchtprogrammmeese 2004 Der ewige
Mönchsjoker
1995 - 98 Hochschule der
Bildenden Künste, Hamburg - Studienabbruch
[Prof. Franz Erhard Walther]
2000
»Soldat Meese [Staatsanimalismus], Maldoror-Turm« [anlässlich
der Ausstellung »Wounded Time«], Städtisches Museum Abteiberg,
Mönchengladbach [D]
GRUPPENAUSSTELLUNGEN
[Auswahl ab 2000]
2007/08
» Der archäologische Schrecken «,
mit Daniel Richter
Helms Museum,
Hamburg-Harburg [D]
2005
»Mor / Mutter / Mother « mit TAL R, Staten_Arts_Museum Kopenhagen
[Danmark]
2005
» Triumph of Painting Part II « , Saatchi Gallery, London [UK]
2004
» Werke aus der Sammlung Boros «, ZKM_Museum für Neue Kunst,
Karlsruhe [D]
2003
» Berlin - Moskau / Moskau - Berlin 1950 - 2000«, Gropiusbau, Berlin
[D]
» Grotesk!«, Schirn Kunsthalle, Frankfurt und Haus der Kunst, München
[D]
» Warum!«, Martin Gropius Bau, Berlin [D]
» deutschemalereizweitausendrei«, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt
am Main [D]
2001
» Ziviler Ungehorsam – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Falckenberg«,
Kestner Gesellschaft, Hannover [D]
PERFORMANCES [Auswahl ab 2000]
2007
New York | im Rahmen eines privaten Live-Events im Atelier
von Matthew Barney. Performances
von Barney, Michael Rees und Jonathan Meese
2006
im Rahmen der großen Kippenberger - Retrospektive
Tate Modern London -
" NOEL COWARD IS BACK | Dr. Humpty Dumpty vs. Fra No-Finger "
photo:
jens ullheimer
2000
» Fort Knox de DAF«, Bayerisches Staatsschauspiel, Theater im Marstall
[D]
München, Set: Jonathan Meese, Script: Raymond Pettibon,
Musik: Hans Weigand
Bühnenbild / Theater [Auswahl]
2007
THEATER
» De Frau« (Dr. Poundaddylein
– Dr. Ezodysseusszeusuzur),
Volksbühne, Berlin [D]