Diese
Lebensmaxime vonHanne
Darboven hat
seit den sechziger Jahren ein Werk entstehen
lassen, das in der Kunst nicht seinesgleichen
hat, das die Grenzen der bildenden Kunst
immer wieder neu auf die Probe stellt.
"Ich
schreibe, aber ich beschreibe nichts." "Ich
schreibe, aber ich lese nicht." So beschreibt
sie selber das unendliche Ritual des Verfertigens
ihrer Kunst, das in seiner Konzentration,
Konsequenz und Kontinuität wahrhaft
einmalig ist. Auf tausenden und abertausenden
von Blättern hat die Künstlerin
in scheinbar unendlicher Reihung Zahlen und
Buchstaben aufgeschrieben. Schreibzeit festgeschriebene
Zeit - Zeiterinnerung.
Das ist ihr Thema.
Zeit
wird in diesem Werk zum Raum. Schreibende
Tätigkeit zeigt sich am Ende als Installation
im Museum, wo die Blätter in gleichförmiger
Reihung an den Wänden eine Struktur
bilden, die unverkennbare Darboven-Struktur.
Ein Extremfall
von Konzeptkunst, die
bei geduldiger Betrachtung in schwingende
visuelle Bewegung gerät.
Anna
Brenken
BIOGRAPHIE
Hanne
Darboven gehört zu den international
renommiertesten Konzept-Künstlerinnen.
Sie
vertrat
Deutschland
auf der
Biennale
in Venedig,
hat mehrere
Male an
der documenta
teilgenommen
und ist
in den
wichtigsten
internationalen
Museen
präsent.
Geboren
1941 in München,
aufgewachsen
in Hamburg-Harburg,
lebt
und arbeitet in Hamburg-Harburg.
Hanne
Darboven entwickelte in den 1960er Jahren ein
Konzept zur Fortschreibung von Zeit und formalisierte
es in einer Abfolge von abstrakten Schreibzeilen
und Gruppierungen von Zahlen. Sie
wurde angeregt durch
ihre Begegnung mit
Künstlern der
Minimal Art, vor allem
Carl Andre und Sol
LeWitt, in New York,
wo sie sich 1966/67
aufhielt.
Hanne
Darboven ca. 1966/67
Sie distanzierte sich sowohl von der extrovertierten
Darstellungsweise der Pop Art als auch von
der expressiven Linienführung der Zeichnung.
1968 übernahm sie die Einteilung des Kalenders
mit Tag, Monat und Jahr.
Die
internationale Anerkennung kam früh. Der New
Yorker Galerist Leo Castelli förderte sie,
schon 1970 waren ihre Arbeiten im Museum of
Modern Art in New York zu sehen, ein Jahr später
im Guggenheim-Museum.
In
den 1970er Jahren bezog sie ihr Konzept auf literarische
Werke wie Homers "Odysee" oder Heinrich
Heines "Atta Troll". Mit den Blättern
der "Schreibzeit" (1975-80) begann
sie sich geschichtlichen Themen zuzuwenden und
historische und politische Inhalte zu reflektieren.
Dies schlug sich besonders durch die Integration
von Bildmaterial in ihrer Arbeit nieder.
Seit
1980 übersetzt sie die ihren visuellen Arbeiten
zugrundeliegenden Zahlenkonstruktionen auch in
musikalische Strukturen: die Zahlen bestimmter
Zeitrechnungen werden von ihr selbst in Töne
und musikalische Notationen umgesetzt.
1994
erhielt Hanne Darboven in Hamburg den angesehenen
Lichtwark-Preis.
Hanne
Darboven 2004
Für
das Berliner Reichstagsgebäude, in den Fraktionslobbies,
im dritten Obergeschoss, wurde die Arbeit "12
Monate (Europa-Arbeit)" von 1997 installiert,
die auf 32 Blättern 12 Monate repräsentiert.
Die Blätter sind mit Federzeichnung und
Collage auf Pergament ausgeführt. Im Unterschied
zu den Geschichtsbezügen der Vergangenheit
verweist sie auf eine zukünftige Vision
von Europa.
Schiff an Ufer
Hanne Darboven: Liest Du mich?
Lawrence Weiner: Ich lese Dich laut und klar
Das Schreiben füllt keine Leere
Das Schreiben tritt in eine Welt ein,
die mit vielen Dingen gefüllt ist
Das Schreiben ist vom ersten Strich an
ein fait accompli
Das Schreiben ist heute
Wir schreiben darum sind wir
(Cultural History 1880-1983),
1980-83.
1,590 Blätter (sheets)
19 Elemente/Skulpturen (elements/sculptures)
Dia Art Foundation | New York
1996/1997
photo: Cathy Carver
Katalog,
100 Seiten
Hanne Darboven Hommage à Picasso
in Deutsch, mit Texten von Valerie Hillings,
Wolfgang Marx und einem Gespräch zwischen
Gerd de Vries und Sybille Omlin;
erscheint inkl. CD des Opus 60
2004 Hanne
Darboven, Phoenix Art Stiftung
Sammlung
Falckenberg,
Hamburg-Harburg 1997 Kinder
dieser
Welt,
Staatsgalerie Stuttgart 1996 · Kulturgeschichte
1883-1983,
Dia Art Foundation, New York 1991/92 · Die
geflügelte
Erde, Requiem,
Deichtorhallen,
Hamburg,
Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (
Auswahl ) 2002 · Documenta
11, Kassel 1997 · Deutschlandbilder,
Martin-Gropius-Bau, Berlin 1982 · Biennale
di Venezia 1982 · Documenta
7, Kassel 1977 · Documenta
6, Kassel 1972 · Documenta
5, Kassel 1971· Guggenheim-Museum,
New York 1970 · Museum
of Modern
Art, New
York 1969 · "When
Attitudes
Become Form",
Bern